Aussergewöhnlich schöner Jüngling - Vegetationsgottheit
Adonis war der Sohn von Myrrha, der Tochter des Königs Kinyras von Zypern
und ihrem eigenen Vater. Keine andere als Aphrodite hatte sie in ihren Vater
heftig verliebt gemacht, weil sie ihre Riten vernachlässigte. Als ihr Vater entdeckte was geschehen war,
wollte er seine Tochter töten. Sie aber floh nach Arabien, wo die Götter sie
auf ihr Flehen hin in einen Myrrhestrauch verwandelten, der später von einem
wilden Eber gespalten wurde, worauf Adonis herausfiel.
Nach einer anderen Legende soll die Geburtsgöttin Eileithya den Knaben aus
dem Baum befreit haben. Von der Schönheit des Knaben beeindruckt, legte
Aphrodite ihn in einen Kasten und vertraute ihn Persephone, der Herrscherin der Unterwelt an. Da aber
diese ihn auch bewunderte, sollte Zeus über das Geschick des Knaben
entscheiden. Er soll dann entschieden haben, dass Adonis jeweils ein Drittel
des Jahres bei jeder der beiden Göttinnen weile, das letzte Drittel wollte er
ihn für sich haben.
Eine andere Version des Mythos erzählt, dass die unparteiische Muse Kalliope
darüber entschied, da Zeus nicht zu einem Schiedsspruch bereit war. Sie soll jeder Göttin ein halbes Jahr zugesprochen
haben.
In römischer Zeit veränderte sich der Mythos. Adonis wurde zum Hauptakteur, Aphrodite zu seinem Verhängnis. Von
seiner Schönheit berauscht, verliebte sich die Liebesgöttin in den Jüngling
Adonis. Heimlich trafen sich die Verliebten in einer Grotte und gaben sich
ihrer Liebe hin. Mehrmals warnte Aphrodite ihren Geliebten vor seinem Übermut
während der Jagd. Er aber ignorierte ihre Warnungen und verlor so sein Leben
durch einen wilden Eber, der ihn bei der Jagd im Wald angefallen hatte. Dieser
soll kein anderer als der eifersüchtige, als Eber verkleidete, Ares oder ihr Gatte Hephaistos gewesen sein.
Der Tod des schönen Liebhabers stürzte Aphrodite in tiefe Trauer. Es gelang ihr
schliesslich, Persephone zu überreden, ihn alljährlich zu Beginn des Frühlings
für vier Monate zurückkehren zu lassen.
Das Blut des Adonis – so glaubten die Menschen in der Antike – fliesse aus der Grotte mit dem
Quellwasser das Flussbett hinunter bis zum Meer. Denn war es nicht diese
Stelle, zu der Adonis mit letzter Kraft kroch? War es nicht hier, wo das Blut
aus seinen Wunden floss und er seinen Verletzungen erlag? Das Blut des Adonis –
Tausende zogen jedes Jahr im Frühling zur Grotte hinauf.
Der Tod des Adonis und seine Rückkehr aus der Unterwelt symbolisieren das Werden und Vergehen der Natur.